KLAVIERGEDANKEN - Carsten Dürer über die Welt des Klaviers ...

KLAVIERGEDANKEN - Carsten Dürer über die Welt des Klaviers ...

Klaviergedanken

Transkript

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00:00:12: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Klaviergedanken mit Carsten Dürer.

00:00:18: Heute will ich mal etwas ansprechen, was mir seit einiger Zeit auf der Seele brennt – ob ich nicht langsam in das Fahrwasser eines alten und wenig flexiblen aus der Musikwissenschaft kommenden Journalisten werde, der das Neue zu wenig zulässt?

00:00:39: Ich beobachte zwar alle neuen Strömungen, verwehre mich aber lange schon gegen bestimmte Trends.

00:00:46: So auch gegen solche die beispielsweise die Neoclassik betreffen da ich der wenig Fortschritt oder Neues entdecken kann.

00:00:56: Auch wenn die Marketingmaschinen der Labels mir immer wieder suggerieren wollen das es anders ist, ist die gesamte Neoclasik Szene doch von einer recht verwächselbaren Soße durchzogen.

00:01:09: Mittlerweile gibt es allerdings ein weiteres Feld.

00:01:13: Klavierklänge mit Elektronik um Gesang gemischt.

00:01:17: meist geht dies von den Pianisten aus, sie haben sich zu Superstars entwickelt die auf allen sozialen Medien Kanälen aktiv sind und eine große Anzahl an Followern haben was in diesem Fall bedeutet dass die Menschen von all diesen ungewöhnlichen und jungen Piansten Klaviermusik hören.

00:01:41: Ist es nicht das, was immer schon in der Geschichte passiert ist?

00:01:44: Dass junge Künstler etwas Neues geschaffen haben über die sich die alten Kritiker mich eingeschlossen in diesem Fall immer mokierten da ihnen dies fremd war oder sie gerne an den einmal festgefahrenen Strukturen inklusive ihrer Musik festhalten wollten?

00:02:04: Die Musik Geschichte ist voll von Missverstehen, von zu Unrecht schlecht beurteiltem und dem Verneinen von Neun.

00:02:13: Immer waren es in der Regel wenig offene Persönlichkeiten die immer wieder mit dem Alten vergleichen und das neue verneinen wollten.

00:02:24: Wenn nun aber eine neue Generation von Pianisten auf den Bühnen erscheint alles anders machen will als das was bislang üblig war – Ist das dann verwerflich?

00:02:37: Nun, es gibt immer irgendwelche Grenzen des guten Geschmacks denke ich.

00:02:41: Aber man sollte zumindest selbstkritisch genug sein sich damit genauer zu beschäftigen!

00:02:48: Ich will hier nicht über die fast unbekannten Pianisten sprechen, die immer wieder als Produzent, Komponist und Pianist angekündigt werden – auch sie haben sicherlich ihre Berechtigung aber oftmals sind sie vor allem Studiokünstler, die gar nicht wirklich auf den Bühnen in Erscheinung treten….

00:03:08: Ich meine viel mehr Phänomene wie den Japaner Hayato Sumino oder den deutschen Louis Philipson.

00:03:16: Beide sind jung und hip, sehen anders aus als die alten großen Pianisten, die wir so oft auf dem Bühnen erleben.

00:03:25: Und beide sind aus der Generation Native Digitals, die mit den Sozialmedien Plattformen aufgewachsen sind und sie genutzt haben.

00:03:34: Zuvor haben dies natürlich auch schon andere gemacht Aber ihr Werdegang verlief etwas anders.

00:03:40: Sie hatten bereits eine große Gemeinde an Followern und Abonnenten auf allen möglichen Plattformen – ich meine die beiden genannten, bevor sie ins Rampenlicht der klassischen Szene auftauchten!

00:03:53: Hayato Sumino hat Ingenieurswesen in Tokio studiert und dann in Paris im Bereich Musik-Informationsverarbeitung.

00:04:01: Daneben ließ er sich als Pianist ausbilden… keine typische Laufbahn.

00:04:08: Doch als alter Ego-Cartain hat er schon auf YouTube immensen Erfolg, improvisierte spielte klassische Werke und bespielte dabei vor allem vollkommen unterschiedliche Tasteninstrumente bis hin zu elektronischen.

00:04:24: Mittlerweile zählt sein YouTube-Kanal mehr.

00:04:30: Insgesamt hat er zwei Komma zwei Millionen Follower, wenn man die anderen sozialen Medienplattform dazu zählt.

00:04:38: Mit viel Engagement betreibt er seine Kanäle – spielt nicht nur unterschiedliche Werke also nicht nur klassische Musik sondern auch schon mal ein Blues oder Jazz.

00:04:50: Das ist bemerkenswert aber gehört eher wirklich auf die großen Konzertbühnen.

00:04:55: fragte man sich Ja, muss die Antwort lauten, mag man das was er spielt oder wie er es spielt auch?

00:05:04: vielleicht manchmal nicht wenn es um Interpretationen des Kanon geht.

00:05:09: Aber man spürt dass ein intelligenter Vollblutmusiker ist der das was macht liebt.

00:05:16: und was gibt es Wichtigeres für einen Publikum?

00:05:20: Er ist einer der Künstler einer neuen Generation, die sich einen anderen modernen Haarschnitt gönnen.

00:05:26: Sich entweder im Pullover oder im Frack zeigen – einfach auch eine junge Zuhörerschicht ansprechen, die wir doch alle so dringend haben wollen und benötigen wenn die Musik weiter live gehört werden soll!

00:05:40: Dass er einige Preise gewonnen hat unter anderem dass er ins Halbfinale im Champon-Wettbewerb in Warschau gekommen was nach den Beobachtungen der vergangenen Austragung nicht unbedingt ein Indiz für sein Können ist, ist er noch bemerkenswert.

00:05:59: Vielmehr ist es das Engagement die Vielseitigkeit und die Lust des Auftretens unspielens für einen Publikum, dass ihn ausmacht.

00:06:08: Das selbe gilt für den jungen Louis Philipson.

00:06:12: Er isst einer derjenigen, die mit einigen Konvention brechen.

00:06:17: So tritt er meist in einer Lederjacke sehr griller Farber auf die Bühne.

00:06:22: Und sicherlich ist der Einer, der über Social Media bekannt wurde – obwohl sein Werdegang als Jungstudent an einer Hochschule und über Jugend musiziert.

00:06:32: Wettbewerbe etwas klarer verlaufen ist bisher.

00:06:37: Immerhin hat er sich neben seinem Klavierstudium dazu entschlossen Wirtschaft zu studieren!

00:06:44: Nach eigener Aussage hat der in Berlin geborenen Pianist den Erfolg, der ihm beschert wurde, kaum erwartet.

00:06:53: Nun spielt er auf Bühnen, spricht mit dem Publikum was ihm leicht fällt, denn er spricht mehrere Sprachen!

00:07:00: Er ist offen und freundlich – ob er bei der Musik bleibt steht noch in den Sternen habe ich das Gefühl.

00:07:07: Aber gehört einfach in den Kanon der neuen Generation von Jungpianisten die ein breites Publikum begeistern.

00:07:16: Sicherlich habe ich nun nur zwei Erfolgreicher herausgepickt, aber diese zeigen mehrere Dinge gleichzeitig – wir müssen uns daran gewöhnen dass nicht zwingend die traditionellen Wettbewerbe als Erfolgsgaranten gelten sondern heutzutage vor allem die sozialen Netzwerke in denen es nur so wimmelt von Jungpianisten.

00:07:41: Einige sind weniger erfolgreich als andere wie immer.

00:07:45: Auch das ist die Wahrheit über die überfluteten Social-Media Kanäle, es gehört auch viel Arbeitswille dazu diese Plattform geschickt und beständig zu füttern damit man wahrgenommen wird.

00:07:59: Es steckt viel Arbeit hinter dem Erfolg.

00:08:02: Das machen alle jungen Pianisten klar.

00:08:04: gleichgültig ob es um die Social Media Plattform oder um das Üben selbst geht ist kein Erfolg möglich.

00:08:15: Die Eingangsfrage, die ich mir stellte – muss es schlechter sein wenn Pianisten auf diesem Wege Erfolg haben?

00:08:22: Nein lautet die ganz klare Antwort denn wir sind in einer Welt angekommen wo Wettbewerber allein längst nicht mehr das Mars darstellen um die besten Talente zu entdecken.

00:08:33: Es sind neue Medien hinzugekommen an die wir als Ältere uns noch immer gewöhnen müssen.

00:08:40: oder bin ich da allein in dieser Blase?

00:08:44: Mir gefällt nicht alles, was ich da höre – vor allem nicht wenn es um die Interpretation von klassisch romantischen Standardwerken geht.

00:08:51: Aber das muss es auch nicht!

00:08:52: Denn wenn es Millionen anderer und vor allem junger Klavierfreunde gefällt, bin ich nicht das Maß aller Dinge… Auch wenn ich sicherlich über einen weiteren Erfahrungshorizont

00:09:04: verfüge.".

00:09:05: Wir müssen aber in die Zukunft blicken und diese wird sicherlich andere Persönlichkeiten auf die Bühnen bringen, wenn es um das Universalinstrument Klavier geht.

00:09:17: Die Neoclassik lehne ich nicht deswegen ab da ich die Pianisten nicht mag oder ihnen fehlendes Talent zumindest zum meist jedenfalls Abspreche.

00:09:30: Mir best fällt nur dieser einseitige Art das Klavier zu benutzen, die immer gleichem Pattern zu nehmen um daraus etwas anderes zu basteln.

00:09:40: Das langweilt einfach!

00:09:42: Die anderen Nihonstars allerdings müssen aufpassen wenn sie Erfolg haben nämlich dass Sie Ihre Selbstständigkeit und ihre Lust neues zu wagen behalten und nicht von Agenturen und Labels dazu gedrängt werden das Konzept was sie einmal erfolgreich hat werden lassen beibehalten.

00:10:01: Denn wenn ein Pianist gerade einmal zwanzig Jahre alt ist, dann hat er auf seinem Weg sicherlich noch andere und neue Ideen.

00:10:10: Und die müssen erlaubt sein!

00:10:13: Gibt es hier einen Fazit?

00:10:15: Ja, es gibt eines.

00:10:17: Selbstkritik muss vorhanden sein, da wir uns ansonsten nicht voran bewegen – und das worum es geht nämlich live Klaviermusik auf der Bühne auch noch in einigen Generation zu erleben verlieren könnten….

00:10:32: Dabei sollten wir aber nicht nur uns selbst gegenüber kritisch sein, sondern dürfen auch den Social Media Stars gegenüber kritisch bleiben.

00:10:42: Aber wir müssen uns flexibel durch die Welt der Musik bewegen – neue Ideen, neue Klänge, neue Persönlichkeiten und neue Sichtweisen anerkennen und schätzen lernen!

00:10:54: Ich versuche das jedenfalls… was nicht immer ganz einfach ist….

Über diesen Podcast

In der Podcast-Reihe KLAVIERGEDANKEN spricht Carsten Dürer, Herausgeber und Chefredakteur des deutschen Klaviermagazins PIANONews, über seine Erfahrungen aus unterschiedlichsten Bereichen der Klavierwelt. Dass er dabei kein Blatt vor den Mund nimmt, zeichnet seine Integrität aus. Die Themen beweisen, dass er über ein großes Wissen verfügt, aber niemals aufhört sich Fragen zu stellen

von und mit Carsten Dürer

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