KLAVIERGEDANKEN - Carsten Dürer über die Welt des Klaviers ...

KLAVIERGEDANKEN - Carsten Dürer über die Welt des Klaviers ...

Klaviergedanken

Transkript

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00:00:35: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Folge Klavier-Gedanken mit Carsten Dürer.

00:00:43: Heute will ich mich einmal damit beschäftigen, ob wir wirklich all die Firmennamen, die in der Klavierwelt, in der Hersteller Welt kursieren, kennen müssten?

00:00:55: Natürlich kennen sich Klavierliebhaber aus wenn es um die bekanntesten Klaviermarken geht!

00:01:01: Und nun ist dies sicherlich wirklich individuell von Klavierspieler zu Klavierspieler unterschiedlich, wenn es um die Präferenzen geht was als bekannt und beliebt gilt.

00:01:14: Wenn es um den Klaviermarken selbst geht Denn viele erkennen wahrscheinlich allein aufgrund der Händlerdichte die Marke Niyama oder Kawaii oder auch Schimmel Andere aufgrund der allgegenwärtigen Bühnenpräsenz, natürlich die Marken Steimer Enzans, Bösendorfer, Bechstein und andere.

00:01:36: Doch was sollten wir überhaupt über die Markenkennen, die wir präferieren?

00:01:42: Wissen wir hundertprozentig wo diese Instrumente hergestellt werden – wissen wir warum Preise bestimmter Markenhörer sind als andere?

00:01:52: was sich in den Instrumenten befindet, woher die Materialien und die Zubehörteile stammen.

00:01:59: Und dann kommt natürlich die Frage auf – ist das überhaupt wichtig?

00:02:05: Kommen wir erst einmal auf die Markenselbst zu sprechen!

00:02:08: Wenn Yamaha auf einem Instrument steht, gehen wir von einer japanischen Produktion aus.

00:02:13: Richtig?!

00:02:15: Nun ist es aber schon seit langem so dass der Produktionsstandort Japan viel zu teuer ist um preiswerte und damit konkurrenzfähige Instrumente gerade im Einsteigerbereich anbieten zu können.

00:02:30: Vor vielen, vielen Jahren bereits hat Yamaha eine Fabrik in China installiert – vor allem um den riesigen Bedarf an Instrumenten in diesem Land selbst abzudecken.

00:02:41: Danach hat man auch eine Fabrike in Indonesien gebaut, um grade die preiswerten Instrumete für den Weltmarkt kostengünstig herzustellen!

00:02:51: Mittlerweile, vor dem Hintergrund der schrumpfenden Welt Verkaufszahlen hat man das Werk in Indonesien geschlossen und die Produktion auf die Fabriken in Japan und China verteilt.

00:03:03: Und wenn Sie einmal zu einem Yamaha-Händler mit großem Sortiment gehen, dann werden sie feststellen dass gerade Klavieren nebeneinander stehen, die sich optisch gar nicht so sehr unterscheiden – die aber doch große Preisunterschiede aufweisen!

00:03:18: Die Instrumente aus Japan sind einfach teurer.

00:03:21: Natürlich baut man auch bei Yamaha die meisten Flügel weiterhin in Japan mit guten Materialien und großer Hingabe, aber es gibt auch kurze kleine Flüge, die nicht aus japanischer Produktion stammen.

00:03:36: Bei Kawaii ist es ähnlich nur das die Produktion in Indonesien noch existiert – man aber auch ein Werk in China betreibt!

00:03:45: Natürlich neben dem Stammsitz im japanischen Hamamatsu.

00:03:50: Natürlich gibt es noch Marken, die ausschließlich in einer deutschen italienischen oder österreichischen Manufaktur hergestellt werden.

00:03:57: So sind gerade die familiengeführten Unternehmen wie Steingräber, Förster oder Fazioli Unternehmen, die ausschliesslich in Deutschland bzw Italien produzieren.

00:04:09: Auch das Unternehmen Sauter in Speichingen produziert ausschließlich am deutschen Standort und geht sogar noch einen Schritt weiter, indem es ausschliesslich Materialien benutzt die aus Deutschland stammen.

00:04:22: Allerdings gilt dies für Steingräber und Förster ebenfalls.

00:04:27: Dann gibt es natürlich Marken, die ausschließlich in Deutschland bzw.

00:04:30: Österreich oder der tschechischen Republik produzieren aber nicht mehr ganz in Familienhand sind So beispielsweise die Bergstein GmbH oder die Steinway Enzans, oder Bösendorfer.

00:04:44: Bösendoffer gehört seit langem zu Yamaha und bei Bergstein und Steinway sowie bei Petrov muss man die Markenunterscheiden, die allein an einem europäischen Standort gefertigt werden.

00:04:58: Denn Steinway hat auch die Submarken Boston & Essex – die im Falle von Boston bei Kauai – in China gefertigt werden.

00:05:10: Bei Bechstein ist es allein die Marke C. Bechstein, die ausschließlich im deutschen Seifernersdorf gefertigen wird.

00:05:17: Andere Untermarken sind Mischprodukte aus dem eigenen Werk der Tschechischen Republik und Seiferennersdorf – zudem gibt's auch Marken, die nicht aus Europa stammen.

00:05:29: Das selbe gilt für das Familiengeführte Unternehmen Petrov Seit man sich entschieden hat, eine preiswerte Submarke auf den Markt Pro erzubringen die in China hergestellt wird.

00:05:44: Auch bei Schimmel ist es ein Zusammenspiel zwischen dem Produktionsstandort Braunschweig und der eigenen Fabrik in Polen, die die Marke ausmacht und preißlich konkurrenzfähig hält.

00:05:55: Zudem gehört Schimml seit vielen Jahren zu dem großen chinesischen Hersteller Pearl River – und es gibt Submarken, Nun aber nochmals die Frage, ist das wichtig?

00:06:09: Ist es nicht viel wichtiger dass für einen Kunden beim Spiel alles stimmt.

00:06:14: Dass man sich am Instrument wohlfühlt gleichgültig wo's produziert wurde und woher die Materialien stammen.

00:06:23: Wir benutzen in jedem Haushalt mittlerweile Produkte aus China oder Indonesien tragen Kleidung die in Bangladesch Indian Pakistan oder sonstwo auf der Welt gefertigt und freuen uns oftmals über die Qualität und die preisliche Gestaltung.

00:06:39: Aber viel wichtiger ist doch, dass die Kleidung passt, das wir uns wohl in ihr fühlen – und dass die Produkte im Haushalt funktionieren und bezahlbar sind!

00:06:51: Ich will hier gar nicht die Qualität aus deutscher Produktion auf den Prüfstand stellen, denn mir ist durchaus bewusst dass es in Deutschland noch ein Handwerksempfinden gibt das in anderen Ländern allein schon aufgrund der anderen Ausbildungsqualitäten nicht in dieser Art gegeben ist.

00:07:11: Aber das Gleiche gilt auch für Österreich, Italien und andere europäische Länder in denen noch gefertigt wird.

00:07:18: Und auch in Japan gibt es ein hohes Qualitätsbewusstsein, das wir in Europa erst recht spät erkannt haben und heute Produkte auf denen Made In Japan steht gerne auch gebraucht kaufen.

00:07:33: Dies gilt beispielsweise für HiFi-Geräte aus den neunzehntiebziger und neunzelneunachtachziger Jahren die mittlerweile Kultstatus haben und gesucht sind wenn sie dieses Label tragen.

00:07:46: Eine andere Ebene trifft man dann, wenn es um die Lieferanten geht.

00:07:52: Ist es wichtig, dass man eine Mechanik von Renner im Instrument hat, seiten von Röslau die Klaviatur klugestammt?

00:08:01: Ihnen sagen diese Namen vielleicht gar nichts!

00:08:04: Klar sagen sie ihnen diesen Namen nicht, da sie eigentlich gar nicht daran interessiert sind was sich im Instrumen genau befindet, wenn das Instrument nur gut spielt und klingt Richtig?

00:08:19: Aber immer wieder wird man auch in Katalogen mit diesen Firmennamen konfrontiert.

00:08:24: Wird einem beim Händler gesagt, dass dies das Nonn plus Ultra sei!

00:08:29: Ist es wirklich so?

00:08:31: Nun die Firmen Kluge für hochwertige Klaviaturen und die Firma Renna für Mechaniken haben sicherlich einen hohen Standard mit ihrer Produktion in Deutschland.

00:08:42: Das haben auch die Firmen Abel für Hammerkopf und Klinke, für die Stimmnägel- und Einhangstifte der Seiten im Instrument.

00:08:51: Aber spielen die Instrumente dadurch anders?

00:08:55: Besser?!

00:08:56: Nicht unbedingt!

00:08:58: Denn wenn man allein auf die Instumente von Yamaha und Kawai schaut, dann weiß man das es auch andere Hersteller gibt – die hervorragende Mechaniken und Klaviaturen fertigen Denn diese beiden Hersteller legen Wert darauf, dass sie alle Produkte die sich in den Instrumenten verbauen auch selbst herstellen.

00:09:20: Ebenso tun dies viele chinesische Hersteler.

00:09:24: Natürlich hat dies auch mit der großen Stückzahl zu tun, die Sie produzieren so das sich der Aufwand lohnt sich mit der komplexen Herstellung von Mechaniken zu beschäftigen.

00:09:35: Früher gab es auch in Deutschland zahllose Leverantenfirmen für die genannten Teile in den Klavieren und Flügeln.

00:09:42: Nach dem Zweiten Weltkrieg haben aufgrund der geringeren Stückzahlen immer weniger wieder innenmarktgefunden – ein Schrumpfungsprozess fand statt, der zu einer Konzentration auf nur wenige und heute noch einen Hersteller für bestimmten Bereiche führt.

00:10:00: So ist im europäischen Gebiet an Mechanikherstellern Nur noch rennerübrig.

00:10:05: Für die Klaviaturen nur noch

00:10:07: kluge.".

00:10:09: Das ist erschreckend und birgt natürlich auch Gefahren für die Hersteller, da es eine Abhängigkeit von diesen gibt!

00:10:17: Da die japanischen Firmen zwar alles selbstfertigen diese Produkte aber nicht für andere Hersteler freigeben, ist die Alternativausrichtung weltweit begrenzt….

00:10:29: Und wenn man nicht wie Schimmel mit den Klaviaturen oder Bechstein mit seinen eigenen Hammerköpfen, selbstbestimmte Teile fertigen will oder kann – dann muss man zwangsläufig nach China schauen.

00:10:44: Dort gibt es mittlerweile hervorragende Mechanikhersteller und auch Lieferanten von Klaviaturen!

00:10:50: Und da diese von einigen auch europäischen Herstellern längst seit einiger Zeit genutzt werden, lässt sich feststellen das auch diese Mechaniken gut funktionieren.

00:11:02: Muss man daher als Kunde nun die Namen dieser Hersteller lernen?

00:11:08: Nein – absolut nicht!

00:11:10: Das Gleiche gilt für die Hölzer.

00:11:12: Natürlich gibt es Gegenden, die bessere Baumbestände haben in denen gerade die Fichten langsamer und gleichmäßiger wachsen als in anderem Gegenden der Welt.

00:11:24: Das Fiemntal in Italien ist berühmt dafür das Tal, in dem bereits Stradivari sein Holz geschlagen hat.

00:11:34: Dort gab es bislang einen Hersteller für feinstes Resonanzbodenholz – die Firma Chiresa.

00:11:41: Dieses Familienunternehmen hat nun angekündigt, dass man die Fertigung für Resonanzbodenhölzer aufgibt.

00:11:49: Zum Glück hat das ebenfalls familiengeführte deutsche Holzunternehmen Strunz – das auch längst schon hochwertige Resonansboden-Hölzer anbietet – die Bestände und die Fältigung von Chiresa übernommen.

00:12:04: Aber wieder ist es zu einer Konzentration gekommen….

00:12:09: Wir Klavierspieler müssen all dies dennoch nicht wissen.

00:12:13: Wir sollten uns damit beschäftigen, dass wir dem Klaviertechniker mitteilen können wenn irgendwas an unserem Instrument nicht mehr so ist wie es sein sollte oder wie wir es haben wollen.

00:12:26: Alles andere kann auch verwirren und zu eigenwilligen Glaubensbekenntnissen

00:12:31: führen.".

00:12:33: Etliche Techniker und Verkäufer im Klavierbereich argumentieren genau mit diesen Namen und Begriffen der Lieferanten.

00:12:40: Allerdings nehmen auch sie in der Regel nur an einem Narrativteil, das lautet dass Produkte die in Deutschland oder Europa gefertigt werden besser sind als die aus Asien!

00:12:54: Ich glaube, daß dem in dieser einfachen Darstellung schon lange nicht mehr so ist….

00:13:01: Ich erinnere mich an ein kürzlich besuchtes Konzert von einem Pianisten, den ich nach dem Konzern traf.

00:13:08: Er hatte sich so sehr in die Musik vertieft und sich so konzentriert, dass er nicht einmal mehr wusste, das er nicht an einen Steinway sondern auf einem Yamaha konzertiert hat.

00:13:23: Das war mir sympathisch und zeigt eigentlich worum es überhaupt

00:13:28: geht.".

Über diesen Podcast

In der Podcast-Reihe KLAVIERGEDANKEN spricht Carsten Dürer, Herausgeber und Chefredakteur des deutschen Klaviermagazins PIANONews, über seine Erfahrungen aus unterschiedlichsten Bereichen der Klavierwelt. Dass er dabei kein Blatt vor den Mund nimmt, zeichnet seine Integrität aus. Die Themen beweisen, dass er über ein großes Wissen verfügt, aber niemals aufhört sich Fragen zu stellen

von und mit Carsten Dürer

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