Klaviergedanken
00:00:19: Hallo liebe Klavierfreunde, hier kommt eine neue Podcast-Folge – Klaviergedanken mit Carsten Dürer.
00:00:28: Natürlich kennt jeder der sich einmal ans Klavier gesetzt hat das Problem der richtigen Distanz zu den Tasten, der richtige Höhe des Klavierstuhls die richtige Arm und Handhaltung usw.. Es muss einfach alles passen, wenn man sich auf die Noten konzentrieren will, da die Alterserscheinung dazu führt, dass man nicht mehr in normalem Abstand ohne Brille lesen kann.
00:01:22: Natürlich gibt es auch für den Schreibtisch sogenannte Bildschirmbrillen so das der Abstand zwischen Sitzposition und Bildschirmen perfekt von einer Brille aufgefangen wird und man dann alles gut erkennen kann.
00:01:35: Genau so etwas Muss man sich auch für ein Klavierspiel vorstellen, wenn die Lesebrille da nicht ausreicht.
00:01:45: Das ist aber nur ein abseitiges Thema das individuelles und jeder für sich selbst herausfinden muss!
00:01:53: Aber es ist vor allem die Sitzpositionen, die uns heute einmal interessiert.
00:01:58: Natürlich ist auch sie vollkommen individuell denn es gibt keine vollkommen richtige oder falsche Sitzposition am Klavier.
00:02:08: Beine sind länger oder kürzer, ebenso die Arme.
00:02:12: Der Oberkörper von vielen Menschen ist länger als der Unterkörper oder andersherum.
00:02:18: Also gibt es grundsätzlich nur ein paar Regeln auf die man achten sollte.
00:02:23: Vor allem aber sollte man nicht danach schauen wie sich einige Pianisten auf der Bühne am Klavier bewegen sich dort setzen, denn sie haben über viele Jahrzehnte ihre Sitzposition herausbekommen.
00:02:39: Bei der Sie sich am wohlsten fühlen?
00:02:42: Aber das gilt weniger für Amateure die nur selten am Instrument sitzen!
00:02:49: Wenn also einige dieser Pianisten auf der Bühne sich mittlerweile auf Stühle mit Rückenlehne setzen sind dies oft Anzeichen von Rückenproblemen.
00:02:58: Da war Radolupo einer unter diesen.
00:03:01: oder natürlich gibt es diejenigen, der auf ihren eigenen mitgebrachten Stühlen extrem niedrig sitzen.
00:03:08: Am berühmtesten ist wahrscheinlich das Beispiel Glenn Gould, der immer auf dem zusammenklappbaren Stuhl saß, den sein Vater für ihn gebastelt hatte.
00:03:18: Aber auch Martin Stadtfeld hat sich dazu entschieden absolut niedrig zu sitzen und bringt zum Teil seine eigene Klavierbank mit!
00:03:27: Das sind alles keine Vorbilder, denn diese Pianisten sind Profis und haben wie schon erwähnt über viele Jahrzehnte am Instrument herausgefunden, wie ihr Klavierspiel mit dem Sitzen vor dem Instrument am besten funktioniert.
00:03:43: Grundsätzlich – und das wird ein jeder Lehrer sagen – sollte man aufrecht so sitzen dass die Ellenbogen auf der Höhe der Klavier-Tour auskommen….
00:03:56: Zudem sollte man nicht zu weit und nicht so nah an der Klaviatur sitzen, sodass man sich nicht zurücklehnen oder vorbeugen muss um beispielsweise den obersten Diskant oder den tiefen Bass zu erreichen.
00:04:10: Zudems sollte man eigentlich immer mit geradem Rücken am Instrument sitzen.
00:04:16: Schauen Sie sich einmal Videos vom Pianisten an die eigentlich jeden inspiriert haben – Arturo Wienstein, Arturo Benedetti Michelangeli Ignaz Paderewski oder all diejenigen, die immer noch und bis heute das goldene Zeitalter des Klavierspiels ausmachen.
00:04:34: Alle saßen, kärzen gerade am Instrument und spielten allein aus den Armen heraus.
00:04:41: Auch heutzutage kann man dies aber auch bei Pianisten erleben – bei Grigory Sokoloff beispielsweise oder auch bei Christian Zimmermann und Andra Schiff.
00:04:53: Zudem erkennt man bei diesen Pianisten auch, dass sie sich nur selten mit dem linken Fuß unter der Klavierbank abstützen.
00:05:01: Was bei jüngeren Pianistinnen heutzutage viel häufiger vorkommt!
00:05:06: Das ist ja nun nichts Schlimmes, aber in der alten Schule war es wichtig, dass man immer beide Füße an den Pedalen hat so das man sie jeder Zeit einsetzen kann und nicht erst den einen Fuß unter der Klavierbank hervorziehen muss um dann das linke Pedal zu betätigen.
00:05:24: Das bedeutet für das Sitzen, daß man die Beine im rechten Winkel unter der Klawiatur so haben sollte, da's man leicht die Pedale spielen kann….
00:05:36: Alles hört sich unglaublich statisch an, aber mit dem gespannten Rücken entspannt man den Rest des Körpers in dieser Sitzposition so dass die Arme ohne zu viel Spannung arbeiten können.
00:05:50: Alles wird auf diese Weise leicht und relaxed wie man so schön Neudeutsch sagt beim Spiel ausführbar.
00:06:00: Das haben schon viele Klavierpädagogen erkannt, schon Willi Bardas im neunzehnten Jahrhundert, Elgin Roth oder auch Peter Feuchtwanger.
00:06:08: Alle haben eine natürliche Klaviertechnik bevorzugt.
00:06:14: Natürlich gibt es unterschiedliche pädagogische Ansätze wie man sich am Klavier bewegen sollte oder wie man am besten sitzen sollte.
00:06:25: Aber manchmal ist man schon erschrocken wenn man junge Pianisten auf den Bühnen erlebt und man denkt ob sie jemals einen Lehrer hatten, der ihnen gesagt hat, dass diese Art von Sitz- und Spieltechnik irgendwann dazu führen wird – das man Rücken, Arm oder andere körperliche Probleme bekommt?
00:06:44: Wenn man es sich genau ansieht und dann auch anhört haben die Sitzpositionen letztendlich immer was mit der Klanggebung zu tun.
00:06:55: Wenn sich Pianisten mit aller Kraft über die Klaviatur beugen, um dann mit Viehgewicht aus dem gesamten Oberkörper in die Tasten zu stemmen kann kaum ein lauter aber elegant voluminöser Klang entstehen.
00:07:10: Meist klingt vieles nur noch percussiv hart oder brutal.
00:07:15: Natürlich gibt es Musik, die dies verlangen – aber die meisten nutzen diese Spielweise auch für die Musik der Wiener Klassik und Romantik.
00:07:25: Und wenn man sich am Klavier hin und her bewegt wie ein Fähnchen im Winde, sei es seitwärts oder vor-und zurück dann hat man einfach viel weniger Kontrolle über das was man da eigentlich erreichen will.
00:07:41: Klanglich und technisch!
00:07:44: Wie schon erwähnt gibt es unterschiedliche Methoden in der Pädagogik aber auch das Werfen der Arme auf die Tasten ist heutzutage einen Markenzeichen einer ganzen Generation geworden.
00:07:55: Das macht natürlich optisch Eindruck.
00:07:59: Aber auch da kann man nur noch selten einen schönen Klang erzeugen und zudem riskiert man, dass man technisch nicht schnell genug ist und kontrolliert die richtigen Tasten trifft!
00:08:10: Man fragt sich also – was soll das?
00:08:14: Nun es ist eine Art Show-Effekt geworden….
00:08:19: Vielleicht würden heutzutage Zuhörer einen bzw.
00:08:22: Zuschauer, einem der vorhin genannten Alten und ruhig am Instrument sitzenden Pianisten als langweilig empfinden da sie es nicht mehr gewohnt sind das ein Pianist die Musik zum Ausdruck bringt ohne Grimassen und Metzchen am Instrumen zu machen.
00:08:40: Heutzutag gehört es irgendwie dazu dass auch schon junge Pianists sich daran gewöhnt haben den Publikum vor allem optisch mitzuteilen, was sie eigentlich klanglich ausdrücken wollen.
00:08:54: Ob dies dann kongruent mit den Bewegungen ist steht auf einem anderen Blatt.
00:09:00: Noch ein paar Worte zur Position der Noten.
00:09:04: Auf einem Klavier sind Sie näher am Spieler.
00:09:07: an einem Flügel kann man die Position des Notenpuls weiter nach hinten oder vorne bringen da dieses verschiebbar ist.
00:09:15: Auf diese Weise isst an einem Flügel etwas flexibler.
00:09:20: Aber auf einem Klavier stehen die Noten in der Regel etwas tiefer als auf einem Flügel!
00:09:26: Warum ich das erwähne?
00:09:27: Nun gerade bei Menschen, die intensiv aus den Noten spielen ist es ungewohnt dem Blick immer wieder von den Notern auf die Finger auf den Tasten hin und her zu bringen.
00:09:38: Das erfordert viel Bewegung der Augen und des Kopfes und verunsichert.
00:09:43: Bei einem Flügel sind die Noten noch höher, sodass gerade ein Wechsel von einem Klavier auf einen Flügeln mit Noten etwas ungewohnt sein kann.
00:09:55: Findige Menschen haben sich genau darüber Gedanken gemacht nämlich dass man die Entfernung zwischen dem Blick auf die Tasten und die Notend verkleinert indem man das Pult weiter nach unten bringt.
00:10:07: Die Pianistin Isolde Ruck hat sich Dazu Gedanken gemacht und eines entworfen, das man verstellen kann.
00:10:16: Aber auch der Klavierpädagoge André Sebastian Wickel hat ein höhenverstellbares Notenpult gerade für Klaviere entwickelt.
00:10:25: Auf diese Weise sind vor allem Anfänger davon befreit sich beständig unter Druck zu fühlen, dass sie zwischen dem Lesen der Noten und dem Blick auf die Finger zu viel Zeit verlieren.
00:10:41: Nun können wieder Traditionalisten sagen, aber das war doch schon immer so und Millionen von Klavierspielern haben es auch geschafft.
00:10:50: Richtig!
00:10:51: Aber warum sollte man nicht Neues einführen, wenn es dem Spiel hilft?
00:10:56: Immerhin benutzen wir in der Küche viele Gerätschaften und bestimmte Bestecke die man auch nicht zwingend braucht, die das Leben aber
00:11:06: vereinfachten.".
00:11:08: Nicht alle Normen am Instrument sind nun einmal festgelegt.
00:11:13: In der Klavierbaugeschichte war es ja auch nicht so, sondern früher hatte jeder Klavierbauer seine eigenen Ideen wie die Mensur einer Klaviatur sein sollte oder wie das Notenpult positioniert war.
00:11:28: Das Sitzen am Instrament ist in jedem Fall eine der wichtigsten Grundlagen für ein langes und gesundes Spiel am Instrumen – oftmals sieht man nur viel zu häufig, dass darauf zu wenig Wert gelegt wird.