KLAVIERGEDANKEN - Carsten Dürer über die Welt des Klaviers ...

KLAVIERGEDANKEN - Carsten Dürer über die Welt des Klaviers ...

Klaviergedanken

Transkript

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00:00:18: Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge Klaviergedanken mit Carsten Dürer.

00:00:24: Wenn es um Notenausgaben geht, gibt es unterschiedliche Lager von Verlagen und Nutzern.

00:00:31: Da gibt es zum einen die Verlage, die nach wie vor ein ausschließlich auf gedruckte Ausgaben setzen, andere zwar auch diese noch im Angebot haben aber vermehrt digitalaufbereitete Ausgabe anbieten.

00:00:46: Allerdings kommt es hier schon teilweise zu dem Problem, dass einige Verlage ihre eigenen Formate entwickelt haben so das man sie nicht mit jeder allgemein üblichen Software auf einem Tablet verarbeiten kann sondern tatsächlich allein auf der des Verlags.

00:01:06: Da fühlt man sich doch ein wenig an die Anfänge von eBooks erinnert als jeder Hersteller mit eigener Hardware für Ebooks auf den Markt kam und man dann auch nur die digitalen Formate lesen konnte, die der Hersteller anbot.

00:01:21: Das hat sich mittlerweile erübrigt da es ohnehin nur noch zwei oder drei große Anbieter gibt, die eBook Reader bieten.

00:01:30: Und andere eBook Verkäufer müssen sich an diese Formate anpassen – so einfach ist das!

00:01:36: Vielleicht wird dies auch bei den Notenausgaben digitaler Art irgendwann geschehen?

00:01:43: Warum es überhaupt digitale Notenaussgaben gibt.

00:01:46: Nun, früher mussten Pianisten mit einem kleinen Koffer voller Noten reisen wenn sie etwas länger unterwegs waren da die meisten nun einmal nicht so berühmt sind als dass sie auf einer Tour immer das gleiche Programm spielen können.

00:02:02: Vielfach sind auch Kammermusiknoten, Liedbegleiternoten, Klavierkonzerte und dann noch die für die Solo-Programme mit zu nehmen gewesen.

00:02:13: Da ist es schon eine Erleichterung, wenn man all diese Noten auf einem Tablet haben kann.

00:02:20: Und wer sich noch nicht damit beschäftigt hat wird schnell erkennen wie angenehm das ist!

00:02:25: Natürlich kann man immer noch mit einem digitalen Stift in die Noten Notizen machen – ja, man kann auch alte Noten mit all den Notizen in den gedruckten Werken früherer Zeiten einscannen und dann bearbeiten … Mit der richtigen Software jedenfalls….

00:02:43: Also warum sollte man sich noch mit gedruckten Noten abschleppen?

00:02:49: Nun, die meisten, die die digitalen Möglichkeiten ablehnen haben Angst vor dem Blättern.

00:02:55: Zwar gibt es tatsächlich Musiker, die mit ihrem Tablet reisen und sich – wenn sie denn aus den Noten im Konzert spielen – dennoch einen Blatt Fender kommen lassen der dann mit dem Finger auf das Tablettipp um die nächste Notenseite aufzurufen.

00:03:14: Es wirkt ein wenig lächerlich.

00:03:16: Aber grundsätzlich kann man eigentlich auf einen Notenblätterer verzichten, da es eine Unzahl an Guten mit Bluetooth zu verbindenden Pedalen für die Tablets gibt, die man zum Blättern benötigt.

00:03:31: Nun – Die Pianisten haben allerdings schon mindestens zweite Pedale zu bedienen im Gegensatz zu den Streichern oder Bläsern.

00:03:39: Dennoch ist der linke Fuß in der Regel nicht permanent mit dem linken Pedal beschäftigt, oder sollte es zumindest nicht sein.

00:03:49: Also kann man diese auch einmal neben dem Klavierpedal auf das Pedal für das Notenblättern tippen um die kommenden zwei Seiten der Noten anzeigen zu lassen – eigentlich kein Hexendark!

00:04:03: Und donnoch ist es gerade dieser Punkt der viele Pianisten von den digitalen Noten zurückschlecken lässt….

00:04:12: Man sollte nun nicht annehmen, dass alle Pianisten nur noch ausschließlich die Noten im Tablet besitzen.

00:04:18: Nein – ganz und gar nicht!

00:04:21: Die meisten benutzen schon noch zur Einstudierung in ihren eigenen vier Wänden die gedruckten Werke.

00:04:28: Aber wenn man dann auf Reisen geht ist das Mitnehmen eines Tablets einfach ungleich einfacher und leichter.

00:04:37: Zumal man in diesem Tablet ja nicht nur die Noten für bestimmte Programme mit wie es sich führen kann, sondern seine gesamte Notenbibliothek.

00:04:48: Also wenn dann einmal etwas passiert, kann man damit auch anderen Musikern helfen indem man Noten einfach ausdruckt.

00:04:56: für diese oder wenn man etwas länger unterwegs ist, kann Man auch direkt die noten aufrufen, die man vielleicht erst in einem halben Jahr einstudieren würde aber in einem ruhigen Moment vielleicht einfach einmal ausprobieren will.

00:05:12: Das sind keine Schnapsideen, die ich hier präsentiere sondern realistische Szenarien aus dem Leben von auftretenden Pianisten.

00:05:23: Einen anderen Nachteil den viele Pianesten in den digitalen Noten sehen – vor allem solche, die in die Jahre gekommen sind ist deren Lesbarkeit!

00:05:33: Zwar muss man nicht mehr darauf achten, dass das Licht auf die Noten gut genug fällt da ja die Hintergrundbeleuchtung der Tablet-Bildschirme für ausreichend Licht sorgt.

00:05:44: Was beispielsweise in Orchestergräben oder bei andersartigen Aufführungen in Theatern sicherlich hilfreich ist.

00:05:52: Aber natürlich sind die Notenseiten entweder hochkant nur einzeln abbildbar – oder aber bei einer doppelseitigen Abbildung kleiner!

00:06:02: kann es schon einmal zu Augenproblemen kommen.

00:06:06: Aber zumindest wenn es um solistische Programme geht, meist sind die Noten vor den Künstlern auf dem Flügel ohnehin als Sicherheit zu sehen nicht als reines Lesezeug.

00:06:20: Wenn man nun als Hobbyspieler nicht permanent mit den Noten reisen muss dann sind natürlich die gedruckten Noten immer noch willkommen da sie vor allem größer sind.

00:06:30: zum anderen wie bei der Musik, die man von CD oder Vinyl hört anstatt sie zu streamen ist da ein haptisches Gefühl das sich einstellt dass man nicht hoch genug bewerten kann.

00:06:44: Es macht auch Spaß sich einmal vor das Notenregal zu stellen und durchzuschauen was man da schon lange nicht mehr in der Hand hatte und entsprechend auf dem Instrument stehen hatte.

00:06:56: Man lässt sich also vom Papier auch gerne inspirieren.

00:07:02: Doch wenn wir bei einigen Verlagen nun auf die Neuveröffentlichungen schauen, erkennen wir schnell das bestimmte Standardwerke immer in neuen Ausgaben in der Neu-Veröffentlichungsliste auftauchen.

00:07:15: Ist das wirklich nötig?

00:07:17: Zwar gibt es bei bestimmten Werken immer wieder einmal neue Abschriften oder Original Manuskriptfunde – aber das ist doch eher recht selten!

00:07:27: Daneben sind auch die Erkenntnisse bei Werken von, beispielsweise Johann Sebastian Bach oder Ludwig van Beethoven.

00:07:34: Oder auch anderen immer wieder in Neuausgaben aufgelegten Komponisten durch die Wissenschaft kaum so groß dass sich wohl ein Amateur- oder Hobbypianist nun mehrfach in seinem Leben das wohl temperierte Klavier von Bach, die Sonaten von Mozart oder Beethoven mehrfach kaufen würde.

00:07:56: Warum also diese immer wieder erneuten Veröffentlichung?

00:08:02: Natürlich gibt es immer noch Nachwuchs, der diese Noten kaufen könnte.

00:08:06: Aber der wird mittlerweile wohl eher auf die digitalen Ausgaben zugreifen und die paar Pianisten oder Bibliotheken, die diese Neu-Ausgaben – aufgrund von ein oder zwei veränderten Takten – auf Grund von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen anschaffen können diesen Druck von den Verlagen wohl kaum rechtfertigen.

00:08:29: Es ist schon bemerkensvoll wert, warum man sich nicht mit Werken anderer bislang schwerer zugänglicher Komponisten bemüht – das will mir einfach nicht in den Kopf!

00:08:40: Bei jüngeren Kompонisten also solche die noch nicht länger als siebzig Jahre tot sind, also deren Werke-Uhrheber rechtlich nicht mehr geschützt sind….

00:08:50: Ist das noch verständlich?

00:08:52: Aber es gibt so viele andere aus allen Jahrhunderten, deren Werke kaum am Markt zu finden sind.

00:08:59: Da gäbe es sicherlich eine Menge zu entdecken – auch wenn es sich wie momentan äußerst beliebt nicht um Werke von Frauen

00:09:08: handelt.".

00:09:10: Das Feld für Verlage ist ein schwieriges geworden, denn es gibt immer weniger Menschen die in Notenbuchhandlungen gehen würden, wenn es diese überhaupt noch geben würde!

00:09:21: Die meisten haben längst geschlossen, da auch Noten mittlerweile – auch in gedrucktem Zustand – fast ausschließlich im Internet erworben werden.

00:09:32: Man darf also dankbar sein für jeden Verlag der noch Notendruckt – auch wenn er damit wahrscheinlich keine großen Gewinne erzählt!

00:09:40: Denn diese erzählen die meisten Verlage mit den rechten Anbergen, die dann in Notenform als Leimaterial an Orchester oder Ensemble ausgeliehen oder aber über die Verwertungsgesellschaften zum Teil an die Verlage bei Ausschüttungen ausgeschüttet werden.

00:10:00: Eine große Ausnahme ist sicherlich der Henle-Verlag, der ausschließlich sogenannte recht freie Werke veröffentlicht also solche von Komponisten, die länger als siebzig Jahre tot sind.

00:10:12: Aber dieser Verlag wird auch von einer Stiftung getragen, die einspringen kann wenn man vielleicht nicht die großen Gewinne erzielt….

00:10:22: Es gilt dasselbe für die Noten wie für die Klaviere oder musikalischen Medien.

00:10:27: Wir selbst bestimmen mit, ob es auch gedruckte Noten noch in fünfzig Jahren geben wird – oder nicht?

00:10:34: Denn wir entscheiden, ob wir diese kaufen oder nicht… Oder irgendwann nur noch digitale Veröffentlichungen haben werden!

00:10:41: Wenn schon unser Kultusminister Weimar am liebsten alles was an gedrucktem Kulturgut in Deutschland existiert, nur noch digital erhalten will sind das ganz schlechte Vorzeichen.

00:10:54: Aber das kann sich ja auch wieder ändern, wenn eine neue Legislaturperiode anbricht und ein neuer Kulturstaatsminister kommt.

00:11:03: Aber bei all den Allgemeinen Dingen ist es halt nicht so – da bestimmt der Verbraucher also wir was es in Zukunft geben wird!

Über diesen Podcast

In der Podcast-Reihe KLAVIERGEDANKEN spricht Carsten Dürer, Herausgeber und Chefredakteur des deutschen Klaviermagazins PIANONews, über seine Erfahrungen aus unterschiedlichsten Bereichen der Klavierwelt. Dass er dabei kein Blatt vor den Mund nimmt, zeichnet seine Integrität aus. Die Themen beweisen, dass er über ein großes Wissen verfügt, aber niemals aufhört sich Fragen zu stellen

von und mit Carsten Dürer

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